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Kein Grund zur Panik?

Es gibt Tage, da trifft man zufällig immer auf dasselbe. In Internetforen, in der Tageszeitung, in der Wochenzeitung, überall wurde FFF gelobt und Gretas Beitrag zur Umweltdiskussion gewürdigt. Ihre Forderung in Panik auszubrechen jedoch wurde durchweg, wie ja auch schon in den letzten Wochen immer wieder, als gefährlich kritisiert, als irrational, als genau die falsche Reaktion. Besonnen müsse man bleiben, um zu vernünftigen, realistischen Lösungen zu kommen.

Liebe Ruhebewahrer, erspart mir dieses Pseudo-Argument und seht Gretas Worte als das, was sie sind: ein verzweifelter Hilfeschrei angesichts der Tatenlosigkeit und des Maulheldentums von Politikern und Wirtschaftsführern weltweit. Das hat uns doch erst in die heutige katastrophale Lage gebracht – bald 50 Jahre nach den „Grenzen des Wachstums“. 50 Jahre Abwiegeln, 50 Jahre Augen zu, 50 Jahre verschwendete Zeit. Natürlich kann man in Panik verfallen, wenn man erst einmal Ruhe bewahrt und Tee trinkt und dem Schwelbrand in der Küche zusieht, um dann urplötzlich festzustellen, dass es heiß im Sessel wird, weil das Haus in Flammen steht und der Eimer Wasser, den man bereitgestellt hat, wenig Hoffnung auf Rettung verspricht.

Wer rechtzeitig handelt, gerät auch nicht in Panik, ihr Schlafmützen.

Als Apokalyptiker, Schwarzmaler und Panikmacher habt ihr den Club of Rome, Greenpeace, WWF und alle anderen Umweltaktivisten schon in den 70er und 80er Jahren verunglimpft, und in einem Punkt habt ihr wirklich Recht behalten: die Prognosen waren falsch! Ob schmelzende Gletscher und Arktiseis, steigender Meeresspiegel und Temperaturen oder Artensterben und Insektenschwund – alles geht noch viel schneller als in den pessimistischsten Szenarien befürchtet! Und ihr haltet Ruhe immer noch für die erste Bürgerpflicht. Ihr glaubt immer noch, das Heil der Menschheit läge in den Profiten der Automobilindustrie und in Schnitzel-all-you-can-eat. Falls ihr es noch nicht bemerkt habt – die Suche nach der Erde 2.0 war bisher erfolglos.

Kein Grund zur Panik? Ich fürchte, ihr habt nicht die leiseste Ahnung von der Panik, die in spätestens 20 Jahren ausbrechen wird. Weltweit.

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Eine Antwort auf „Kein Grund zur Panik?“

dem kann ich nur zustimmen. Wenn “sie” sagen dass aktuell nicht die richtige Zeit für Panik ist, dann meint man wohl das ja nie die richtige Zeit für Panik ist, da Panik, praktisch schon per Definition, kontraproduktiv ist. Richtig ist aber auch, dass jetzt, mehr Grund zur Panik besteht, als jemals zuvor.

Ein Gedanke der mir gerade kam, der für politisch Interessierte aber vermutlich nicht neu ist: Das man bei solch langfristigen Problemen auch an die Grenzen des Systems stößt. Regelmäßige Neuwahlen sollten dafür sorgen dass nie ein Politiker zu viel Macht bekommt, sie sorgen aber auch dafür dass jeder das Problem aussitzen kann und es in ein paar Jahren an den nächsten weiter schieben kann.

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