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Allgemein Der tägliche Wahnsinn Satire

Die Hundeflüsterin

Unsere Bundeslandwirtschaftsministerin Frau Klöckner hat endlich ein Thema gefunden, mit dem sie mal so richtig zeigen kann, wie durchsetzungsfähig sie ist: Die Hundehaltung! Ein brennendes Thema, dass uns allen nahe geht und endlich mal angepackt werden musste. Alle Achtung, Frau Klöckner, dass Sie sich das trauen, gegen die geballte Macht der Hundehalterlobby!

Endlich können die Hunde Deutschlands aufatmen. Endlich kümmert sich jemand um diese mit Hundesalons und Bocuse-für-Vierbeiner-Delicatesse-Häppchen, mit Hundetrainern und -psychologen gefolterten und von ihren Herrchen und Frauchen von früh bis spät gepiesackten und gequälten Tiere. Zweimal am Tag müssen die lauffaulen Besitzer jetzt hinaus auf die Straße, die man bisher ja nie im Park oder überhaupt im Freien gesehen hat, um des Menschen bestem Freund „Auslauf außerhalb des Zwingers zu gewähren“. Das macht sowas von Sinn, da sich ja kein Mensch einen Hund anschafft, um mit ihm draußen herumzulaufen, sondern weil die Hundehaare beim Staubsaugen so schön stinken. Oder weil sie im Zwinger die Zwei-Zimmer-Wohnung im dritten Stock bewachen sollen.

„Für insgesamt mindestens eine Stunde“, verordnet das Bundeslandwirtschaftsministerium. Da wird sich so mancher altersschwache Dackel aber freuen, dass er nicht einfach nur sich entleeren und dann stante pede wieder auf sein Sofa zurück darf, sondern zweimal eine halbe Stunde lang durch die Gegend geschleift wird, ausschließlich zu seinem Besten, versteht sich. Hat er das Elend halt früher hinter sich, oder was?

Andererseits, wieso nur eine Stunde? Sind Sie sicher, dass 72 Minuten nicht besser gewesen wären? Oder eine detaillierte Tabelle mit minutengenauen Differenzierungen je nach Rasse, Alter, Geschlecht und Fellfarbe? Das hätte doch für Ihre Verwaltungs- und Formularexperten kein Problem sein dürfen.

Gespannt sein darf man auch auf die Ausführungsverordnung. Wahrscheinlich werden demnächst tausende neue Stellen geschaffen, für Hundeauslaufkontrolleure, die dann im Hauseingang gegenüber stehen mit Spiralblock und Bleistift und penibel die Zeiten notieren, an denen Herr Meier und Frau Müller mit Fiffi und Bello das Haus verlassen und wieder zurückkommen. Möglich wäre natürlich auch die Ernennung von ehrenamtlichen Hundeblockwarten. Oder vielleicht bekommen auch alle Hunde demnächst keine Hundemarken mehr, sondern Fußfesseln, dann weiß das Ministerium genau, ob auch wirklich gelaufen und nicht einfach auf Parkbänken herumgelungert und zu Herrchens Füßen abgehangen wird.

Ja, das war wirklich wichtig, Frau Klöckner, das musste geregelt werden. Wen interessiert da das millionenfache Kükenschreddern? Verglichen mit der Zahl und der Qual jahrelang bewegungsarmer Hunde ist das doch Killefit. Das ruckelt ein bisschen auf dem Förderband, dann geht es schrapp, schrapp, schrapp, und in Sekundenbruchteilen ist alles vorbei. Da braucht es keine Verordnung. Warum sollte man gesetzlichen Ehrgeiz entwickeln bei einer Lappalie wie dem betäubungslosen Kastrieren von Ebern? Da reicht der Anruf des Schweinezüchterverbandes und ein Verweis auf die Wahnsinnskosten für Narkotika, die ein Schnitzel zum Luxusgut machen würden. Tierwohl bei Transporten durchsetzen? Wer da alles mitredet! Legehennen, Schweinen und Rindern zweimal am Tag mindestens eine Stunde Auslauf am Tag verordnen? Ist natürlich satirischer Quatsch. Genauso wie ein Verbot von Kastenständen, in denen Zuchtsauen fast bewegungslos mindestens die Hälfte ihres Lebens verbringen müssen. Auf so eine Idee kommt doch keiner im Landwirtschaftsministerium. Deshalb ein bürokratisches Monster schaffen? Man kann doch nun wirklich nicht alles verbieten.

Nein, Frau Klöckner zieht es vor ihre Mitarbeiter mit Dingen zu beschäftigen, die keine – Verzeihung – Sau interessieren, die völlig überflüssig sind, von Ausnahmen abgesehen, für die es bereits ausreichende gesetzliche Regelungen gibt, und die in der Praxis nicht überprüfbar sind. Für Leute wie Frau Klöckner sollte man einen neuen Preis ausloben. Den goldenen Nasenring von Schilda.

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