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Prag Feb. 2020

Eine Reise mit Hindernissen – nicht nur wegen ‘Sabine’; auch die Deutsche Bahn trug ihren Teil dazu bei.

Wir wollten von Hamburg aus anreisen, doch der Zug fiel aus. OK, kann passieren. An der Information riet man uns mit einem anderen Zug nach Berlin zu fahren, wo wir dann in den von uns gebuchten Zug umsteigen könnten. Da man das natürlich allen anderen auch sagte war dieser Zug nicht nur völlig überfüllt, es passten gar nicht alle hinein. Ein kundenfreundlich planendes Unternehmen würde selbstverständlich über eine Infrastruktur verfügen, die nicht auf stets reibungslosen Normal-, sondern auch auf Notfallbetrieb vorbereitet ist. Offensichtlich war die Bahn nicht in der Lage ein paar Waggons anzuhängen. Stattdessen wurden Passagiere gebeten wieder auszusteigen, da der Zug sonst aus Sicherheitsgründen nicht fahren könne.

Nach kurzem Check stellten wir fest, in zwei Stunden fährt noch ein Zug nach Prag. Also wieder raus, Schlange stehen im Reisezentrum, umbuchen. Nun dachten wir, wir könnten die Wartezeit in der sogenannten DB-Lounge verbringen. Doch weit gefehlt. Den einzigen Wartesaal darf man nämlich nur als Premium-Kunde benutzen. Mit Sparpreis ist man dort unerwünscht, ein Paria unter den Reisenden sozusagen. Den Status eines Kunden verliert man bei der Deutschen Bahn, sobald man armselig wie man ist auf ein Sonderangebot zurückgreift. Dienstleistung? Bei der Deutschen Bahn? Nur für Erste Klasse. Dienste muss man sich eben leisten können. Und wer das nicht kann, muss eben stehen. Oder, dem der Bahn angemessen erscheinenden Niveau entsprechend, einen der zahlreichen Fast-Food-Tempel besuchen.

Hocherfreut, dass der zweite Zug nicht auch ausfiel, rollten wir Richtung Reiseziel. In Berlin standen wir erstaunlich lange. Dann die Durchsage: Schichtwechsel der Lokführer. Leider ist aber der neue noch nicht da. Wir müssten 20-30 Minuten warten. Kann ja mal passieren.

20 Minuten später: “Sehr verehrten Fahrgäste, wir bitten um ihre volle Aufmerksamkeit” (mit starker Betonung; wir ahnten schon Böses). Der Lokführer war nicht erschienen. “Aus diesem Grund endet der Zug hier.”

Einfach so. Dass die Bahn Probleme hat, genügend Lokführer zu finden, ist ja hinlänglich bekannt. Warum aber in einer solchen Notfallsituation der vorhandene Lokführer nicht ausnahmsweise noch ein Stück weiterfahren und vielleicht später ausgewechselt werden konnte, erschloss sich uns nicht. Wenn es um die Einhaltung der Fahr-/Arbeitszeiten ging, was passiert dann, wenn ein Baum auf ein Gleis fällt, wie eine Woche später geschehen? Dann bleibt der Zug doch auch nicht einfach stehen, bis ein ‘frischer’ Lokführer kommt.

Also wieder endlos Schlange stehen, zum einen, um am Info-Schalter einen Hotelgutschein zu bekommen (immerhin mussten wir uns das Hotel nicht selber suchen), zum anderen, um erneut umzubuchen auf einen Zug am nächsten Morgen.

Kaum zu glauben, aber dieser Zug brachte uns dann fast pünktlich ans Ziel.

PRAG

Was sofort auffällt, wenn man durch die Prager Altstadt läuft, ist wie wenig hier im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Wurden andere Großstädte in Schutt und Asche gelegt, blieb Prag weitgehend verschont, wie die böhmischen Länder insgesamt. Die Hauptziele der Alliierten waren die tschechischen Industriestädte Pilsen und Litvinov. Auf Prag selbst gab es nur vier Luftangriffe.

Was man z.B. am Altstadtring und dem umliegenden Gassengewirr sehen kann, mit der bezaubernden, farbenfrohen Mischung aus gotischen, Rennaissance-, Barock-, Rokkoko- und Jugendstilhäusern.

Teynkirche, Palais Kinsky
Hus-Denkmal, St. Niklas Kirche
Karlsbrücke, Hradschin
Platz der Republik
Pulverturm, Repräsentationshaus
Karlsbrücke, Altstadtseite
Karlsbrücke, Kleinseite
St. Veits Kirche
St. Georgs Basilika

In der Josefstadt

Das ehemalige jüdische Ghetto beeindruckt mit seiner Jugendstilarchitektur, und Manche wohl auch mit den neuerdings im Erdgeschoss untergebrachten Luxusgeschäften auf dem zentralen Prachtboulevard Parizska.

Der alte jüdische Friedhof

Rund 300 Jahre lang wurden hier die Prager Juden beerdigt. Schätzungsweise 100.000 auf 11.000 qm! Da man ihnen nur dieses kleine Areal zugewiesen hatte, und es Juden verboten ist ein Grab aufzulösen, blieb ihnen nichts anderes übrig, als die vorhandenen Gräber zuzuschütten und die neuen übereinander zu schichten.

Die Gedenkhalle im jüdischen Museum – an den Wänden Inschriften mit Namen, Geburts- und Todesdatum der 78.000 tschechischen Juden, die Opfer des deutschen Faschismus wurden.

Obwohl ich nichts grundlegend Neues gelernt habe, von Details abgesehen, und mir das Erbe deutscher Geschichte stets bewußt ist, lassen mich die Zeugnisse des barbarischen Wütens und der nachgerade industriellen Vernichtungsmaschinerie immer aufs Neue bedrückt zurück, ebenso wie die ‘schlichte’ Aufzählung der Opfer oder die Bilder, die Kinder in den KZs gemalt haben.

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3 Antworten auf „Prag Feb. 2020“

Sehr schöne Fotos einer sehr pittoresken Stadt. Wenn man die intakte Innenstadt sieht mit ihren Häusern und Palästen, mehrere 100 Jahre alt, begreift man erst richtig, was die Zerstörungen durch Kriege und Stadtplanung uns z.B. in Köln genommen haben.
Zudem: Die vielen Menschen auf Straßen und Plätzen, das bunte Treiben – das ist noch gar nicht so lange her und erscheint mir heute wie aus einer anderen Welt. Nu ja, auch das geht vorbei…

Was Köln angeht, sieht man das gerade mal wieder in einer Stadtanzeiger Serie mit Photos aus den Vorkriegsjahren. Köln war mal eine sehr schöne Stadt. Aber nicht nur bevor der Krieg, auch bevor die Autos kamen.

Ja, die verschiedenen Baustile fallen direkt ins Auge, das ist man als Kölner wirklich kaum gewöhnt, die paar Gebäude die über geblieben sind, assoziere ich zumindest mit Wohlstand. Ich weiß aber gar nicht ob dies auf Prag zutrifft, oder dieser Eindruck nur entsteht weil man diese Architektur im Alltag nicht mehr gewöhnt ist.

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