Kategorien
Allgemein Galerie Travelog

Alpen Sept./Okt. 21

12.9.21: Ober-Elbschen / Burgistein, Ch

https://www.google.com/maps/@46.7950061,7.4784909,17z

Nach entspannter Nachtfahrt am ersten Standort angekommen. Kurzer Spaziergang, Wohnmobil ‘einrichten’, Nachbarn kennenlernen, Wandertipps einholen.

13.9.21 Höhenweg

Erste Wanderung bei strahlender Sonne und angenehmen Temperaturen auf dem Gürbetaler Höhenweg. Dörfer, Weiler und Höfe und bimmelnde Kühe in hügeligem Grün. Unten ein weitgezogenes Tal und der Thuner See im Dunst. Weiter im Osten lugen die Drei- und Viertausender des Berner Oberlandes aus den Wolken.

Chalet am Wegesrand
Leider ohne Ton

14.9.21: Balm / Meiringen

https://www.google.com/maps/@46.7276248,8.1530532,15z

Von Oberelbisch

nach Balm bei Meiringen. Ein idyllisch gelegener Platz nicht weit von der Aare-Schlucht. Leider schlägt das Wetter gerade um.

Von der Höhe ins Tal, am Thuner und am Brienzer See entlang.

Thun, Blick auf Eiger und Mönch
Brienz

Thun erschien mir sehenswert, nicht nur wegen der spektakulären Lage am See mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, aber hier erweist sich das Wohnmobil dann doch als Nachteil. Einfach mal anhalten und herumlaufen geht nicht mit sechseinhalb Metern. Alles ist eng und die Parkplätze sind erstens voll und zweitens meistens nicht für Wohnmobile geeignet. Am Bahnhof, wo ich es auch probiert habe, hat es einer gewagt – und stand mächtig im Weg herum.

In einem Vorort fand ich wenigstens nach langem Suchen einen großen Parkplatz 10 Minuten von einem Supermarkt entfernt. Plötzlich, welche Blasphemie, wünscht man sich ein amerikanisches Einkaufszentrum mit eigenen Camperbuchten.

In der Schweiz hingegen ist alles putzig. Ich war in einem “Backstatiönli” (kein Tippfehler!) und habe ein “Brötli” und ein “Küchli” erworben. Das Küchli war laut Auskunft der Verkäuferin übrigens mit Äpfeli und Birnli (oder hab ich halluziniert?). War jedenfalls köstli.

15.9.21 Im Haslital

Alles ist wolkenverhangen im Haslital, es nieselt leicht. Laufe trotzdem an der Aare entlang. Und siehe da, für ein Stündchen zeigt sich die Sonne.

Reichenbachfall. Ort des legendären Kampfes zwischen Sherlock Holmes und Professor Moriarty.
Die Aare.

Drachenhöhle.

16.9.21 Wie bitte?

Die Meteoswiss Wetterapp ist erfreulich zuverlässig. Habe die avisierte zweistündige Regenpause genutzt (es beginnt pünktlich wieder zu tröpfeln) und bin ins zwei Kilometer entfernte Meiringen gelaufen.

Den Ort darf man links liegen lassen, es sei denn man ist Holmes-Fan. Der ist hier überall.

In Andenkenläden, in der Sherlock-Lounge, dem Sherlock Club und natürlich in seinem eigenen Museum.

Davon abgesehen rühmt sich der Ort unübersehbar seiner süßen Historie. Hier wurde die berühmte Meringue erfunden! Natürlich kann ich nicht hier wegfahren, ohne diese lokale Spezialität gekostet zu haben. Ich wusste ja, was auf mich zukam: Eiweiß, Zucker, Sahne. Die Frage nach der Größe der kleinen Portion beantwortete die freundliche Dame umsatzbewusst. Also, wenn schon, denn schon.

Es wird ein einmaliges Erlebnis bleiben. Ich bezweifle, dass die Meiringer selbst häufig ihre Spezialität verspeisen. In Portiönli genossen, könnte ich mit der servierten Menge meinen Zuckerhaushalt für zwei Wochen decken.

Ich bin übrigens in wenigen Tagen in meinem Wohnmobil ganz aus der Welt gefallen. Als ich Platz genommen hatte, kam die Kellnerin mit einem Tablet und der Karte zu mir und fragte in fließendem Schweizerisch: Kowwizerti? Mehr erschloss sich mir nicht. Sie wiederholte. Beim dritten Mal betont langsam, aber im allerliebsten schwiitzerischen Singsang: „Haben Sie ein Kowwid Zertifikat, bitte?“ Da hat es endlich bei mir geschnackelt. Ach ja, da war doch was! Pandemie!! Zertifikat!!! Aber gerne doch. Dann wollte sie noch meine Identitätskarte. Äh …? Das hab ich dann schon beim zweiten Mal verstanden.

17.9.21: Von Schluchten und Schnepfen

Es hat sich mal wieder gelohnt, früh unterwegs zu sein. Bin heute Morgen zur Aare-Schlucht, eine halbe Stunde Fußweg von meinem Campingplatz entfernt. Um halb 10 war ich einer der ersten Besucher, so dass ich in aller Ruhe hindurchwandern und, ohne andere nervös zu machen, meine Fotos machen konnte. Zwei Stunden später auf dem Rückweg wurde es schon deutlich voller, so dass man sich auf dem schmalen Steg im Weg stand. Vor allem die Selfiesammler.

Die Natur verblüfft immer wieder mit ihren Formen, ihrer Beharrlichkeit, ihrer Kreativität. Wie in dieser Schlucht. Die Aare hat sich in den Fels gefräst in hunderttausenden von Jahren, mit Höhlen, Wasserfällen, Gletschermühlen. Und sie verändert die Schlucht immer noch, ohne dass wir relativ kurzlebige Wesen es bemerken. Welch eine Vorstellung: ihren Ursprung hat diese Schlucht in der Eiszeit, vor 2,5 Mio. Jahren, als es hier einen Gletscher von 900 m Dicke gab! Und die Aare fließt und fließt und rauscht gletschergrau durch die Felswände hindurch.

Gletschermühle
180 m höher
Felsmalerei
Corona ist überall!

Und anschließend ging es auf Sherlocks Spuren mit der Zahnradbahn zu den Reichenbachfällen, von dort noch eine halbe Stunde über Almwiesen den Berg hinauf, bis ich ein Plätzchen, wie geschaffen für ein Picknick, fand.

Picknick

Wieso geben sich manche Menschen so viel Mühe, aber auch in jeder Nuance einem Klischee zu entsprechen?

Ich wollte mich gerade auf den Rückweg machen, als zwei junge …, mh, … Damen die Aareschlucht betraten. Schick. Grellfarbene Pumps. Die eine bauchnabelfrei. Fingernägel aufgeklebt, die eine in pink, die andere blutrot.

Kaum hatten sie die Kasse verlassen, machten sie die ersten Selfies, alleine, zu zweit. Und schnatterten dabei lautstark.

Ich ging schnell los, um etwas Abstand zu gewinnen. Da ich jedoch immer wieder stehen blieb, um mir anzusehen, was zu sehen ich gekommen war, hatten sie mich bald überholt. Und ich sie bei der nächsten Selfie-Location wieder eingeholt. Zum Glück übertönte das Rauschen der Aare bei genügendem Abstand ihre – ja, leider auch das noch – piepsige Unterhaltung.

Und schon überholten sie mich wieder. Und so konnte ich noch beobachten, wie die eine im Laufen Handyfotos knipste, während die andere – ungelogen! – ohne ihr Geschnatter zu unterbrechen, den Kopf aller Naturschönheit abgewandt, mit fliegenden Daumen eine Nachricht in ihr Handy tippte.

Warum sind die hier? Wahrscheinlich weil es sich beim Aussichtspunkt am Eingang um einen Instagramm-Spot handelt.

Ich beschloss dann einfach lange genug stehen zu bleiben.

18.9.21: Hormonrausch

Von Meiringen nach Brig. Eine Fahrt durch eine bezaubernde Landschaft, durch ein sattgrünes Tal, links und rechts eingeschlossen von Wald und Fels.

Dann zum Grimselpass hinauf auf 2164 m, vorbei an mehreren graugrünen Stauseen bis zum Totesee.

https://www.google.com/maps/@46.5614139,8.3288252,15z

Der Totesee

Und dann ging es erstmal zu Fuß weiter, ziemlich steile 3, 400 m höher hinauf, noch eine Biegung und dann öffnet sich ein a-tem-be-rau-ben-des Panoramaspektakel.

Immer wieder bezaubernd: die Blaue Glockenblume.
Wollgras
Steinzeitlicher Picknickplatz. Auf der schwarzen Plakette steht: Barney was here.

Da ich an dieser Stelle völlig allein war, konnte ich gefahrlos mein gebirgsüberwältigtes Juchuuuh loslassen, ohne dass jemand vor Schreck abstürzte. Aber das muss einfach raus, wenn mich die Emotionen überfluten, angesichts dieser Bergwelt. Jeder Höhenmeter, jede Wegkehre belohnt mich mit neuen An- und Ausblicken. Und wenn ich dann eine Passhöhe oder einen Gipfel erreiche, dann tut das auch mein ganzer Körper, dann sprühen und knistern alle Synapsen berauscht von allem, was der Körper an Endorphinen, Serotonin, Dopamin und Oxytocin zu bieten hat, da jubilieren Herz und Bauch und Geist und Seele. Pures Glücksgefühl.

Ja, auch das Meer ist schön und ich freue mich immer wieder, an seinem Rand zu stehen und über sein weites Wasser zu blicken. Aber es ruft nicht dasselbe Feuerwerk hervor, wie hoch oben auf Bergeshöhen zu stehen.

Brig, 18. / 19.9.21 Kunst im Camp

https://www.google.com/maps/@46.288994,7.9368405,13z

Sehr schön gelegener Campingplatz direkt an der Rhone, die hier allerdings noch ein Gebirgsflüsschen ist. Und das ist mein Frühstücksblick:

Stattdessen begann es nachts zu regnen, dann zu schütten, und wenn die Wolken mal kurz aufbrechen, sieht man, dass es auf den Höhen rund um Brig geschneit hat. Gestern Abend hab ich dann zum ersten Mal die Heizung im Bus genutzt. Bisher reichte Zwiebelkleidung, aber es war nicht nur feucht, sondern wurde auch knackig kalt.

Heute ist es zwar noch trübe und wolkenverhangen, aber der Regen hat aufgehört, so dass ich einen Spaziergang an der Rhone entlang machen konnte.

Kunst im Fluss

Ansonsten? Lesen, schreiben, Tee trinken, spülen, lesen, Kaffee trinken, schreiben, Bilder sortieren, kochen. Campergespräche. Woher, wohin, wie lange unterwegs? Tipps über Wander- und Wetter-Apps. Was machst du so? Ach ja? Zwei Leute haben sich mein Buch bestellt. Vielleicht hätte ich einen Karton mitnehmen sollen. Inklusive Lesung im Campingbüdchen. Kunst im Fluss, Kunst im Camp.

Auch das ein kunstvolles Arrangement:

Im Bus, morgens um halb acht.

21.9.21  

Zunächst Mal eine Korrektur: Der Campingplatz liegt an der Saltina, die dann ein Stück weiter in die Rhone fließt.

Um halb 10 Uhr waren die Wolken ab-, um zehn bin ich losgezogen. Die ganze Schlucht konnte ich aber leider nicht durchwandern, da der Weg plötzlich (wegen Steinschlag) gesperrt war. Stattdessen bot sich zum Glück ein Rundweg nach Brig; unten hin, oben zurück.

An den steilen, felsigen Hängen Kiefern und Lärchen, im Tal rankt die Waldrebe um Birke, Maulbeerbaum und Silberweide, sogar dünnstämmige Platanen finden sich. Bachmusik begleitet den Wanderer.

(Die botanische Expertise stammt übrigens von der PlantNet-App. Ganz schön smart so’n Phone.)

Danach (überschaubares) Sightseeing in Brig …

Das Stockalper Schloss

… und Kaffee mit schwiitzer tarte d’apricot in Gesellschaft geschwätziger Spatzen.

Etwas später.

Lebensfreude ganz entspannt. Bei einer Tasse Kaffee auf den Berg gucken. Kaffee. Gucken. Gucken. Kaffee. Ein Schokokeks.

Ein Nachbar kommt vorbei.

„Ist das nicht schön?“

„Wunderschön.“

„Ja.“

Er bleibt noch einen Moment stehen. Guckt.

Dann geht er weiter.

Kaffee. Gucken. Noch ein Schokokeks.

Lebensfreude.

Intensiv.

Minimalaktiv.

22.9.21 Ohne Worte

Fast jedenfalls. Ich war heute wieder auf Bergeshöhen, dennoch war es eine vergleichsweise entspannte Wanderung, denn die entscheidenden Höhenmeter hat die Riederalp-Bahn gemacht, nämlich ca. 1.200 m bis auf 1.900 m. Nach anfangs steilen rund 200 Höhenmetern, geht es auf einem Höhenweg mit immer mal kurzen Anstiegen zum Aletschgletscher bzw. zur Bettmeralp.

Als ich um kurz nach 10 hinauffuhr, lag die Riederalp noch in Wolken, die sich aber schnell auflösten.

Der Aletschgletscher
Unverkennbar – das Matterhorn
Heidelbeeren

Zu meinem Hormonhaushalt muss ich ja nichts mehr sagen.

23.9.21 Mal was anderes

23.9.21 Von Brig nach Lugano

https://www.google.com/maps/@46.0293395,8.8515818,11z

Eigentlich hatte ich vor zum Rheingraben zu fahren – bis ich feststellte, dass das zwar nur 140 km sind – aber nur inklusive Autozug. Ich hatte die Wahl zwischen Gebirgsumfahrung nördlich oder südlich, was mir aber beides zu lang war. Und habe mich spontan für einen Abstecher in südlichere Gefilde entschieden.

Auf dem Simplonpass
Simplon im Morgennebel

Und jetzt sitze ich bei 22 Grad in Lugano am Lago Maggiore und war gerade schwimmen, am campingplatzeigenen Badestrand. An dem aber erfreulicherweise außer mir bei viel Platz nur drei andere Leute waren. Geradezu idyllisch, wenn man an den Rest hier denkt.

Bin über 40 km am See entlang gefahren, und was ich gesehen habe, würde ich nicht als Urlaubsort empfehlen. Die schmale Straße schlängelt sich von Ort zu Ort, links und rechts ist der Hang fast durchgehend bebaut und natürlich privat; mal kleine, pastellfarbene Häuser, mal stattliche Villen. In den Orten die üblichen touristischen ‚Attraktionen‘: Hotels, Bars, Restaurants, Boutiquen etc.. Dazwischen die Straße. Im Moment ist der Verkehr ja halbwegs erträglich, aber ich frage mich, was hier im Juli/August los ist. Das muss die Hölle sein.

Was ich an Campingplätzen im Internet gefunden habe, war auch nicht sonderlich attraktiv – bis auf den hier. Es ist Nachsaison und so habe ich ein unbedrängtes, ruhiges Plätzchen gefunden.

Abends – Im Restaurant der Superlative

Gegensätze, so sagt man, ziehen sich an. Nun, manchmal stimmt das wohl.

Ich war gerade im campingplatzeigenen Restaurant essen. Ein Muss. Ein absolutes Muss. Nicht wegen des Essens. Womit ich nichts gegen die Küche sagen will. War alles in Ordnung. Kein Stern, aber lecker.

Nein, einen Besuch dieses Restaurants sind allein die Inhaber wert. Jedenfalls vermute ich, dass sie es sind, aufgrund ihres Alters (alle anderen sind deutlich jünger) und ihrer Anweisungen.

Er ist der Derwisch der Kellnergilde.

Er fegt mit einem Tempo durch die Tischreihen, dass man einen Kardiologen in der Nähe wünscht. Kaum hat der Gast die ersten Silben des Gerichts artikuliert, vollendet er selbst und sieht den nächsten am Tisch an. Sind alle reihum, dreht er auf dem Absatz und stürmt davon. Er geht nicht, er eilt nicht. Ich bin sicher, es ist keine Sinnestäuschung, sondern ein veritabler Kondensstreifen, der Mühe hat, ihm zu folgen. Im Vorbeigehen stößt er die Saloontüre zur Küche auf und ruft die Bestellung hinein. In einer geschmeidigen Bewegung dreht er ab, ergreift ein Tablett mit Wein und Gläsern und ist schon wieder auf dem Flug zurück in den Gastraum.

Vorweg: Wir sind im italienischsprachigen Teil der Schweiz. Ich möchte zahlen.

„Il con …“ Schon ist er wieder weg.

Auftritt sie. Seine Frau. Sie ist offensichtlich für die Finanzen zuständig. Sie ist sein Yang, seine fleischgewordene Antinomie. Sie lässt sich Zeit. Viel Zeit. Mit schleichendem Rollen kommt sie auf mich zu, im Wiegeschritt. Links, rechts, schwankend wie ein Ozeandampfer bei hoher See. Bevor sie den Schein in dem großen rechteckigen Portemonnaie verschwinden lässt, betrachtet sie ihn wie ein seltenes Kunstwerk. Bis sie wieder hinter der Theke angekommen ist, hat die Inflation zugeschlagen.

Ich stelle mir das Eheleben der beiden vor. Der Wecker klingelt. Als sich zehn Minuten später ihre Augenlider heben, hat er schon Frühsport getrieben, geduscht, gefrühstückt und den Schankraum aufgeräumt. Wenn sie Einkaufen gehen, bleibt sie gleich vorne an der Kasse und hat gerade die Kreditkarte gezückt, als er mit zwei vollen Einkaufswagen angerauscht kommt. Ich stelle mir ihr Sexleben vor. Aber das gehört nicht hierhin.

24.9.21 Saluti di Locarno

Zur Abwechslung mal städtisches Sightseeing. Bin heute Morgen mit dem Bus ins Zentrum gefahren, zwei Stunden durch die Altstadt gelaufen und anschließend am Ufer entlang zum Campingplatz zurück. Lugano/Locarno hat 62.000 Einwohner, aber die einzig sehenswerte Altstadt ist übersichtlich. Ein großer zentraler Platz mit südlichem Flair und schmale Gassen, die den Hang erklimmen.

Eine Stadt mit vielen Namen. Die historischen Verträge von Locarno wurden hier 1925 ausgehandelt, v.a. zwischen Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien (u.a. Anerkennung der im Versailler Vertrag festgelegten Westgrenze durch die deutsche Regierung und die Bestätigung der Entmilitarisierung des Rheinlandes; hat ja leider nicht lange gehalten). Heute der drittgrößte Finanzplatz der Schweiz und Austragungsort des gleichnamigen Filmfestivals. Es gibt eine Uni, überall Hinweise auf Kongresse und Kulturereignisse (zum Teil allerdings in Ascona, von dem Lugano nur durch einen Kanal getrennt ist). Politisch ist Salvinis Lega hier die stärkste Kraft mit über 20 % bei den letzten Wahlen.

Hans Arp, Mitbegründer des Züricher Dadaismus, hat eine Zeitlang hier gelebt und wurde hier auch beerdigt. Ihm zu Ehren gibt es die Giardini Jean Arp mit einigen seiner Skulpturen:

Torso eines Riesen
Ländliche Skulptur
Sich erheben

25.9.21   Lugano – Andeer

Die Strecke von Lugano Richtung Chur hat eine grüne Markierung verdient. Sie bietet alles, was Berglandschaften zu bieten haben: schroffe Gipfel, sanfte Täler, Gletscherflüsse und sattgrüne Almen.

In Lugano war der Himmel noch verhangen …

… bei der Fahrt in den Nationalpark Beverin strahlte wieder die Sonne.

Andeer ist ein winziges Dörfchen ( knapp 900 Einwohner) in diesem Nationalpark.

Dorfplatz

Mit einem bemerkenswerten Skulpturengarten. Da muss jemand vom Kurs abgekommen sein. Ob es hier irgendwo ein Schiffswrack gibt?

Der Ort ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen. Wobei längere Touren mit vollem Rucksack erstmal ausfallen. Rucksäcke behagen meinem Schlüsselbein leider gar nicht.

26.9.21

Das Wetter ist leider umgeschlagen. Gestern Abend war es so stürmisch, dass der Camper gewackelt hat! Und irgendwann in der Nacht weckte mich trommelnder Regen.

Immerhin konnte ich eine Regenpause für einen Spaziergang nutzen, auch wenn man wenig sehen konnte.

27.9.21 Von Andreer nach Zernez

Gestern Abend gönnte ich mir eine Hirschbratwurst mit Spätzlerösti, Blaukraut, Maronen und Rosenkohl. Einfach köstli.

Außerdem hatte ich die Hoffnung, im Hotelrestaurant auch vernünftiges Internet zu haben, um die Wahlergebnisse live mitzubekommen. Auf dem Campingplatz lief nämlich gar nichts. Aber weit gefehlt. Die Kellnerin zuckte mit den Schultern und meinte nur, das würden sie hier kennen. Mal geht’s, mal nicht. “Wir sind hier auf dem Dorf. Da geht alles langsamer.”

Mit viel Geduld und zeitversetzt habe ich dann die überwiegend traurige Wahrheit erfahren. Die Deutschen sind und bleiben Persilwähler. Siehe:

https://www.myview-wolfgangmebs.de/persilwaehler/

Und heute ging es dann in den Schweizer Nationalpark. Egal, wo man hinkommt, die Schweiz ist voller Bilderbuchlandschaften. Von Andreer über Cunter, …

… die kargen Höhen des Julierpasses auf 2284 m, …

In der einsamen Höhe des Passes steht dieser ganz aus Holz errichtete Turm, der “Origen-Turm”, in dem einmal im Jahr ein Kulturfestival stattfindet!

… ins Engadin und das Inntal, …

… bis zu meinem neuen Frühstücksberg in Zernez.

(= Nationalparkzentrum: https://www.google.com/maps/place/Zernez )

Mal wieder ein wunderschön gelegener Platz auf fast 1.500 m, direkt am Inn. Plätze zu finden geht in dieser Jahreszeit ganz entspannt. Es gab bisher immer genug Plätze zur freien Auswahl; der Betrieb ist zusätzlich ruhig, da die meisten Dauerkämper schon nicht mehr hier sind.

Ähnlich relaxed ist die Fahrerei. Ich bin erstaunt, wie wenig auf den Straßen los ist (sieht in der Hauptsaison sicher deutlich anders aus), vor allem, wenn man die Pässe rauf und runter kurbelt. Ich kann mir Zeit nehmen, ohne dauernd jemandem im Weg zu sein und bei der Panoramasicht des Wohnmobils die Landschaft genießen. Und Serpentinen haben ja den Vorteil, dass sich die Aussicht ständig ändert.

Und schon bin ich mit einer zunächst sehr freundlichen Dame im Gespräch. Tessinerin. Ihr Mann spricht nur italienisch und konnte sich nicht beteiligen. Ob er das allerdings gewollt hätte? Er ging jedenfalls nach ein paar Minuten spülen. Vielleicht hat er aber auch durchaus alles verstanden und wusste, was kommt.

Die beiden haben einen Camper wie ich und reisen mit drei Hunden in der Größe junger Kälber. Ehemalige Rettungshunde, wie sie mir erklärt. Und selbst ausgebildet. Sie arbeitet nämlich für den Schweizer Rettungsdienst. So weit so nett.

Dann fragte sie mich, was ich von “dieser Covid-Geschichte” halte, und ob ich mich hätte impfen lassen. Als ich bejahe, entfährt ihr ein „Oh Gott“, mit der Hand schreckhaft vor dem Mund. „Das haben Sie wirklich gemacht?“ Als ich bejahe: „Und? Da müssen Sie doch schreckliche Nebenwirkungen gehabt haben.“ Als ich verneine: „Na, die können ja noch kommen!“ Um mir die ganze Dramatik vor Augen zu führen, fügte sie hinzu: “Wissen Sie eigentlich, wie viele Menschen bereits an der Impfung gestorben sind? Das wird ja immer verschwiegen …” Ich versuchte gar nicht erst sie zu bremsen.

Kurz, sie entpuppte sich als eine von denen, die nicht an eine Pandemie glauben – „harmloser als eine Grippe“ – und fest überzeugt sind, dass der ganz tiefe Staat dahinter steckt. Deshalb fährt sie auch nicht mehr nach Deutschland. Das ist jetzt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: die einen dürfen alles mit ihrem Pass und die anderen sind die Aussätzigen. Hier und da versuchte ich zaghaft etwas zu erwidern, aber als deutlich wurde, dass ich es mit einer Hardcore-Querdenkerin zu tun hatte, deren missionarischer Redefluss ohnehin nicht zu stoppen war, brach ich das Gespräch mit einem „nehmen Sie es mir nicht übel, aber da sind wir unterschiedlicher Meinung und einen schönen Tag noch“ ab. Alles andere ist ohnehin zwecklos und verdirbt nur die Stimmung.

Da macht ein Spaziergang entlang des Inn schon mehr Laune.

28.9.21 Im Schweizer Nationalpark

Wie zu erwarten auf dieser Höhe, war die Nacht eisig. Um sieben bin ich bei sechs Grad aufgestanden und habe mir einen Tee gemacht, dann nochmal unter die Decken (in T-Shirt, Schlafanzug und dickem Pullover) und hab gewartet, bis die Heizung für halbwegs ansprechende Temperatur gesorgt hat. An Kühle habe ich mich hier in den Bergen ja schon gewöhnt.

Ich wollte ohnehin früh los, musste mich ja auch noch deinstallieren, um in den Nationalpark hineinzufahren bis zum Ausgangspunkt meiner Wanderung. Vom Parkplatz auf 1.700 m ging es durch urwaldliche Kiefern und Lärchen, der Boden übersät mit Heidelbeeren, stellenweise auch Alpenrosen (die natürlich jetzt leider nicht blühen), hinauf zur Alp la Schera (auf 2.095 m Höhe), knapp unterhalb der Baumgrenze, mit Blick auf den Stausee Ova Spin.

Alp la Schera

Diese Namen muten seltsam an, so wie viele Orts- und geographische Namen (Scanfs, Munt Buffalora, Piz Tavrü, Val S-charl, Biosfera Val Müstair) die mit ihren Akzenten mal französich wirken, mal italienisch klingen, mal wie verqueres Schwiitzerdütsch. Kein Wunder, denn in Graubünden wird rätoromanisch gesprochen und ist neben Deutsch und Italienisch dritte Amtssprache. Was man auch an vielen Verkehrsschildern sehen kann, auf denen auf eine “scoula” (Schule) oder auf “iffaunts” (Kinder) hingewiesen wird. Und das obwohl, wie ich Wikipedia entnehme, schon bei einer Volksbefragung im Jahre 2000 nur noch 35.000 Menschen Rätoromanisch als ihre Hauptsprache bezeichnet haben (rd. 15 %). Ich finde, das hat was, wenn alte Sprachen, die auszusterben drohen, am Leben erhalten werden.

29.9.21 Am Inn

Heute Nacht klopften Regentropfen an mein Campingdach, der aber um 7, als ich aufstand, schon wieder aufgehört hatte. Die Wetterapp versprach ab 12 aufgelockerten Himmel und Nachmittagssonne. Stimmt.

Den verhangenen Himmel habe ich genutzt, um nach Zernez zu laufen und mich mit Vorräten einzudecken. Nach einem zweiten Frühstück brachen gegen 12 tatsächlich die Wolken auf und die Sonne knallte mit angeblich nur 16 Grad. Mir kam es wie über 20 vor.

Zeit für einen Spaziergang auf eine Anhöhe mit Blick auf Zernez, wieder runter ins Tal und am Inn entlang.

Satte Wiesen hat’s satt.
Die berühmte Räthische Eisenbahn.

Und dann?

Natürlich Gucken. Kaffee. Schokokeks.

30.9.21 Von Zernez nach Sölden / Österreich

https://www.google.com/maps/@46.9607766,11.0015382,15z

Nachtrag

Da ich Morgen, bzw. heute, nach Österreich fahre, dachte ich mir, bringe ich doch mal die letzten Schweitzer Franken unter die Leute. Also auf zur Kiosk-Kneipe des Campingplatzes. Dort waren schon ein paar Dauercamper versammelt, wie jeden Spätnachmittag. Die Rentnergang.

Einer prostete mir zu und schon waren wir im Gespräch. Wobei ich schon ge’hör’ige Probleme hatte, diesen Dialekt zu verstehen. Eine Frau meinte, ich sollte doch meine Hörgeräte auf Schwiitzerdütsch umstellen. Hätte ich glatt gemacht. Aber es ging, etwas holprig, auch so. Zwei aus der Runde (von einem halben Dutzend) waren für mich so unverständlich, dass die anderen ständig übersetzen mussten. Aber das lag eindeutig nicht an der Qualität meiner technischen Ausrüstung.

Was mich wunderte: Neben ihrem Bier (Männer) bzw. Spritz Aperol (Frauen) gab es ständig etwas, das aussah wie Tee. Ich vermutete richtig, so eine Art Grog, lag aber falsch. Es handelte sich um Kafi Luz (bis ich das kapiert hatte!). Wasser, Zucker, Schnaps und ein kleiner Schuss des euphemistischen Namensgebers Kaffee. Ich musste natürlich auch einen probieren. Gut, über Geschmack lässt sich nicht streiten. Ich ging wieder zu Bier über. Der Wirkung nach zu urteilen, war die Hauptzutat hochprozentig.

Wir sprachen über das Rentnerleben, über Covid, über die Wahlen in Deutschland. Gefragt, antwortete ich, ich wäre enttäuscht. „Ja, das kann ich verstehen“ (ich erspare mir schwiitzerische Lautschrift), „dass die CDU aber auch so schlecht abgeschnitten hat.“

Ich korrigierte die Annahme.

„Aah! Ein Grüner. Ein Grüner. Ahh, ahh.“ Aber alles blieb fröhlich und tolerant.

Dann bekam ich eine Lektion in Rätoromanisch. Ich schiebe es mal auf die alkoholischen Umstände, dass mir nichts in Erinnerung geblieben ist. Außer “Guten Tag”, aber das ist keine große Sprachkunst: “Bun di”.

Dann erleuchtete die Abendsonne die umliegenden Berggipfel. Es wurde allmählich kühl. Aber die Stimmung war blendend.

Und dann also heute morgen nach Sölden. Wieder eine entspannte, blickreiche Fahrt, weiter durchs Inntal, durch und vorbei an malerischen Orten mit seltsamen Namen. Susch, Crusch, Vnà oder Ramosch:

Der Campingplatz in Sölden …

ist ziemlich leer. Was vielleicht auch daran liegt, dass er am Sonntag für dieses Jahr schließt.

Es herbstelt.

Auch mehrere Hotels und Restaurants sind für ein paar Wochen dicht, und öffnen erst in drei Wochen wieder, wenn, wie überall angekündigt, hier ein Weltcup-Skirennen stattfindet.

War ich in der Schweiz drei Wochen in kleinen Dörfchen (von Locarno abgesehen), so bin ich jetzt in einem Touristenzentrum gelandet. Alles ist hier auf Skifahren eingestellt und der Ort besteht aus nichts anderem als der entsprechenden Infrastruktur. Wanderwege gibt es auch, aber für den Sommer viel wichtiger ist wohl Mountainbiking, jedenfalls gibt es mehrere Fahrradverleihe und Kursangebote (muss eine Hardvore-Variante sein).

Der Ort selbst besteht fast nur aus Hotels, Appartments, Ferienwohnungen. Dazwischen Boutiquen, Skiverleih, Biker-Bars, Apres-Ski Lounges; und sogar Table-Dance haben sie hier zu bieten.

Vom Campingplatz aus sind es 10 Minuten zu Fuß bis zu einer Seilbahn. Das Wetter spielt wohl mit, also werde ich morgen wieder in luftiger Höhe herumlaufen.

1.10.21 Sölden abwärts

Bei bestem Wetter fuhr ich heute Morgen mit der Seilbahn auf den Gaislachkogel auf knapp über 3.000 m. Viel höher geht es hier nicht, und Höhenwanderwege von dort gibt es auch nicht. Man fährt hoch wegen des beeindruckenden Panoramas über die Ötztaler Alpen. Die meisten fahren allerdings nur bis zur Mittelstation auf rd. 2.200 m – und zwar mit dem Mountainbike (dafür gibt es spezielle Kabinen) und sausen dann auf einer Bikerpiste nach Sölden (auf 1.363 m) hinunter.

Also hab ich es mal andersherum gemacht und bin von der Berg- zur Mittelstation hinuntergelaufen.

Immer wieder kunstvoll.
Herbstliche Heidelbeeren.
Sölden, von der Mittelstation aus gesehen.

Ich habe dort ein Souvenir – nein, nicht mitgenommen, sondern hinterlassen! Ich machte gerade ein Foto und schob mein Käppi ein wenig zurück, als eine kräftige Bö aufkam und mein Käppi davontrug. Zunächst hoffte ich noch, es wiederzubekommen, da es ein Stück weiter unten nicht unweit des Weges zu landen schien. Es hob sich jedoch wieder eine elegante Kurve fliegend in die Lüfte und entschwand meinem Blick.

Ich bin ein wenig traurig. Es war ein gutes Käppi. Das perfekte Wanderkäppi. Es hat mich auf so vielen Reisen treu begleitet. Wir hatten uns aneinander gewöhnt. Auch wenn ich mir ein Neues besorgen muss – es kann kein Zweites geben!

Aber eines ist tröstlich: Es liegt auf einem Berg!

2.10.21 Auf dem Waalpfad

2.10.21 Sölden

Nach dem gestrigen für alle am Gehen beteiligten Gelenke anstrengenden Abstieg, eine entspannte Wanderung mit begrenztem Auf und Ab über Almwiesen und entlang eines Waalpfades durch den Wald.

Wer hat hier “Klick” gesagt?

Und wieder was Neues gelernt. Söden liegt in einer “inneralpinen Trockenregion”, weil die Gebirgsketten einen großen Teil des Regens abfangen. Deshalb werden hier seit dem Mittelalter “Waalwege” angelegt (wie die Levadas auf Madeira), mit denen die Bauern ihre Wiesen und Weiden bewässern. Auch Schmieden und Sägewerke nutzen dieses Wasser.

Und hier beginnt der Waalweg, an der sogenannten “Einkehr”.

Ach ja, und einen schönen Gruß noch von der Moosalm:

3.10.21 Reiseruhe

Es wird schwieriger, gute Campingplätze zu finden, denn manche schließen Anfang Oktober. Ich bin aber in der gewünschten Region fündig geworden und in Neukirchen am Großvenediger gelandet.

https://www.google.com/maps/@47.2495891,12.2594612,14z

Und jetzt sitze ich auf einer Alm mit einer Tasse Kaffee in der Sonne.

Links.
Vorne.
Rechts.
Ganz rechts.

Ich denke, hier werde ich die nächsten Tage bleiben und in herrlicher Ruhe meine Reise Revue passieren lassen, schreiben und lesen und spazieren gehen und, wenn das Wetter mitspielt, noch eine Höhenwanderung machen.

Am Donnerstag geht es dann in zwei Etappen wieder nach Köln. Ob mir der Pilzberg im Beethovenpark reichen wird?

4.10.21

Planänderung. Die Wettervorhersage wurde in den letzten beiden Tagen immer schlechter. Ich hatte noch auf zwei Tage Wolken-Sonne-Mix gehofft, aber heute bleibt es trüb und diesig. Und ab heute Abend ist bis zum Wochenende heftiger Regen angesagt.

Und das gilt für ganz Oberösterreich. Eigentlich wollte ich ja auf der Rückfahrt über die Großglockner Panoramastraße Richtung Osten und dann nordwärts Richtung Deutschland, aber das macht jetzt keinen Sinn mehr, zumal in dieser Gegend auch starker Schneefall angekündigt wurde.

Ich hatte bisher mit dem Wetter so viel Glück gehabt und auf der Reise unzählige Eindrücke gesammelt, da kommt es auf einen Tag nicht an. Morgen nach Kufstein (wo der Regen etwas später ankommen soll), einen Tag auf die Rückreise vorbereiten, und bereits am Donnerstag zurück nach Köln.

Also war das heute meine vorläufig letzte Klettertour hoch zur Ruine Friedburg.

Nicht viel zu sehen vom Großvenediger.
Mehr Ruine gibt’s nicht.

5.10.21 Wie Se sehn, sehn Se nix

Zwei Stunden nördliche Fahrt nach Kufstein. Durch ein nebelüberflutetes Tal, eine Passstraße hinauf, kurzer Blick auf Wiesen und Wälder, in die Wolken hinein, über die Wolken hinaus, kurzer Blick auf Felsen und Gipfel, in die Wolken hinein und wieder hinaus und zurück in den nächsten Nebel.

Kurze Auflockerung, eine Stunde um einen See herum, bei Niesel zurück ins Wohnmobil. Kaffee und Schokokeks mit wenig zu gucken.

Homeward Bound

6.10.21 Kufstein

Morgen also geht es zurück, Richtung Zuhause. Und das fühlt sich gut an.

Das waren vier Wochen, die mir sehr gut getan haben. Endlich mal wieder auf Reisen, umherschweifen ohne feste Route, Neues entdecken, durch Täler und auf Berge. Ich bin auch nach wie vor gerne mal alleine unterwegs, kann spontan entscheiden, was ich heute, morgen, übermorgen mache. Freue mich über jedes Schwätzchen mit Leuten, die mir zufällig begegnen. Ich habe jede Menge Eindrücke gesammelt, die eine Weile vorhalten werden. Bis zur nächsten Tour.

Aber eines ist mir auch klargeworden: Es wird keine so lange Reise werden, wie ich sie noch letztes Jahr vorhatte, bevor Corona meine Pläne infizierte. Keine drei Monate. Solange will ich nicht von Ulla getrennt sein. Ich habe viel zu lange darauf warten müssen, mir ihr zu leben, um jetzt monatelang darauf zu verzichten. Der Alltag mit ihr ist am Ende bedeutsamer als jedes mehrmonatige Reiseabenteuer.

Sammy vermisse ich übrigens auch. Ja, man kann ohne Hund wandern. Ich habe nicht bei jedem Schritt daran gedacht, wie es jetzt wäre, würde sie vor mir herlaufen und aufgeregt all die unbekannten Gerüche erkunden. Aber seit ein paar Jahren war sie fast immer dabei und daran kann man sich gewöhnen. Und so hat jetzt sogar die Aussicht, wieder mit Sammy die altbekannten Wege durch den Beethovenpark und den Stadtwald zu laufen, etwas Verlockendes.

Facebooktwitterredditpinterestlinkedinmail

2 Antworten auf „Alpen Sept./Okt. 21“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.