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Allgemein Der tägliche Wahnsinn

Rechts – Alt und neu

Die neuesten Meldungen zum ideologischen Zustand der KSK (Kommando Spezialkräfte), einer Eliteeinheit der Bundeswehr können nicht wirklich überraschen – weswegen es sich auch erübrigt von Enthüllungen zu sprechen. Aber es bedurfte schon des Schreibens eines KSK-Hauptmannes an den Spiegel, damit sich endlich ein paar Leute intensiver mit rechtsradikal-nationalistischen Strukturen in dieser Truppe beschäftigen, in der ein offenbar nicht unerheblicher Teil sich nicht nur als militärische Elite fühlt. Mal sehen, vielleicht findet ja diesmal sogar der MAD ein paar Extremisten mehr (https://www.myview-wolfgangmebs.de/nur-550/).

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Es gibt urplötzlich Streit um die Skulpturen auf dem Berliner Olympiagelände. Die einen wollen sie als Kulturzeugnis erhalten, die anderen die Nazi-Monumente loswerden. Auch einige Namen sollen verschwinden. Aber es spricht einiges dagegen Zeugen des Faschismus zu zerstören.

Abgesehen davon, dass dies nur rechtsnationalem Populismus Futter geben würde, brauchen wir sie sogar als Waffe gegen neue, auf diese Zeit und Weltanschauung rekurrierende Bewegungen! Man muss diese Skulpturen allerdings in den richtigen Kontext einbetten, und da wurde in der Tat bisher zu wenig getan. So wie wir junge Menschen nicht gegen faschistische Denkstrukturen immunisieren, indem wir lediglich abstrakt darüber reden und mit dem Zeigefinger winken, sondern neben der Beschäftigung mit den historischen Folgen auch nazistische Texte und Goebbels-Reden lesen und analysieren, die Denkmuster aufzeigen und Mechanismen der Indoktrinierung offenlegen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit dem Kunstverständnis der Nationalsozialisten bzw. faschistischer Strömungen insgesamt, und da bieten die Skulpturen von Josef Thorak, Arno Breker und Joseph Wackerle hervorragendes Anschauungsmaterial, und zwar nicht bloß als zweidimensionale Abbildung in einem Schulbuch, die niemals die intendierte Wirkung wirklich spürbar werden lässt.

Es ginge auch anders, als sie einfach da rumstehen zu lassen. Ergänzt sie durch Skulpturen von Käthe Kollwitz. Lasst den Unterschied jedem ins Auge springen. Ersetzt völkisch überhöhte Namen durch Namen von Opfern, auch und vielleicht sogar vor allem von aktuellen, z.B. von Mölln, Remscheid oder Köln, aber lasst die alten stehen, auf Gedenktafeln mit Hinweisen auf ihr Leben, so dass ihrer nicht gedacht, sondern ihr Wirken hinterfragt wird.

Manche bezweifeln die Wirkung solcher Installationen, und ich gebe zu, sie ist schwer einzuschätzen. Eingefleischte AfD-Anhänger wird es bestimmt nicht beeindrucken, so wie die in Sachsen-Anhalt, die den für die sittliche Erneuerung des deutschen Volkes kämpfenden Friedrich Friesen (die nach ihm benannte Allee ist die Hauptachse des Olympiageländes) für ein „Vorbild des deutschen Volkes“ hält, „gerade in unseren Tagen, da sich Deutschland einer neuzeitlichen Völkerwanderung ausgesetzt und von seinen Funktionseliten übergangen sieht“, da sich in ihm „freiheitliches Sehnen, patriotischer Geist und unverrückbarer Kampfesmut“ vereinen, also jene „Tugenden, welche sich das deutsche Volk selbst in seinen dunkelsten Stunden zu bewahren vermochte“ (zitiert aus: https://www.friedrich-friesen-stiftung.de/friedrich-friesen/;AfD-Stiftung). Sie werden sich sicher auch weiterhin an Wackerles arischem „Rosseführer“ erfreuen. Nicht jede Unbildung lässt sich kurieren.

Zwar sollte man generell vorsichtig sein mit der Vermengung der Bewertung der politischen Überzeugungen und des Werks eines Künstlers, heißen sie nun Richard Wagner, Emil Nolde oder Joseph Wackerle.  Aber auch in der Kunst spiegeln sich Zeitströmungen und Ideologien, die sich sichtbar machen lassen. Faschismus beugt man jedenfalls nicht dadurch vor, dass man ihn versteckt, sondern dass man ihn in seiner ganzen intellektuellen und moralischen Erbärmlichkeit auch ‚plastisch‘ entlarvt.

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