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Allgemein Der tägliche Wahnsinn Satire

Was ein Mann!

Also, nehmen wir einmal an, dass es sich nicht um einen PR-Gag handelt, um Fake News, um eine Seifenoper, die sich Trumps Wahlkampftruppe in einer mit Wahlniederlagen-Fieber-Träumen durchwachten Nacht ausgedacht haben, damit Supertrump als der zäheste und tapferste aller Präsidenten nach heroischstem Kampf mit dem ihm aber nicht im Geringsten gewachsenen Virus aus der Intensivstation aufsteigen und den Weichling Biden tief in die Niederungen des linksliberalen Sumpfes stoßen kann.

Wenn es Trump also doch erwischt haben sollte, dann bestünde zwar jede Menge Grund zur Schadenfreude. Die wir uns allerdings nicht nur aus humanistischen Gründen verkneifen sollten. Denn Trump nutzt, wie zu befürchten war, seine Infektion für weitere Inszenierungen. Er kann Covid-19 weiter herunterspielen, nach dem Motto, erstens haben Amerikaner einfach die besten Medikamente der Welt, und zweitens muss man nur groß und stark sein. Und er ist ja der Größte und Stärkste, wie er wieder mal bewiesen hat – kaum krank, schon wieder fitter als fit, schon wieder unermüdlich im Kampf für Amerika. Seht her, ich bin nicht kleinzukriegen. Die Bulletins aus dem Weißen Haus waren die üblichen abgedroschenen Phrasen autokratischen Denkens und an Plattheit nicht zu unterbieten: wir haben alles im Griff, Trump hat alles im Griff, unser Führer ist zwar krank, aber es geht ihm sehr gut, sogar erstaunlich gut, was für ein Mann, ja ganz so einfach war es dann doch nicht, aber er legt sich doch nicht einfach in ein Krankenbett, was für ein Kerl, nein, er führt weiter die Amtsgeschäfte, was für ein Präsident.

Dabei hat er in allererster Linie mal wieder allen seine Rücksichtslosigkeit unter die Nase gerieben, als er trotz der Infektionen im Weißen Haus Business-as-usual betrieb und nach wie vor lustig alle möglichen Leute ansteckte oder zumindest ihre schwerwiegende Erkrankung in Kauf nahm, wie bei den Begleitern in seiner Limousine. Trotz Infektion auf engstem Raum in einem gegen Angriffe mit chemischen Kampfstoffen luftdicht abgeriegelten Wagen ohne Maske. Aber was kümmern ihn diese “low-lives”, wie er gerne sagt. Seine Anhänger dürfte es kaum stören.

Und was war das für ein Auftritt! Trump ist wirklich der passende Präsident für zumindest halb Amerika, für den feudalen Gen-Pool dieses Landes. Wie anno-pief der Monarch in der Kutsche zeigt er sich seinen Claqueuren und winkt ein joviales Händchen. Ob er sich das bei der Queen abgeguckt hat? „Alle Achtung, ist zwar eine Frau, aber winken kann sie. Aber ich kann das besser“.

Und dann dieses unsägliche Foto, dem man an allen Details ansehen kann, dass die PR-Leute den Schreibtisch vorbereitet, Trump einen Kuli in die Hand gedrückt und ihm gesagt haben: „Und dann tun Sie so, als würden sie etwas unterschreiben. – Nein, durchlauchtester Mr. President, mit dem Smartphone beim Twittern, das käme nun wirklich nicht so gut.“

Ja, schaut her, sagt das Stillleben mit Kuli, selbst auf der Intensivstation ist er nicht kleinzukriegen, er arbeitet unermüdlich, euer Trump, für euch. Dabei kann eigentlich längst jeder wissen, dass der Mann so gut wie nie arbeitet, dass er die meiste Zeit mit Fox News und Twitter verbringt, nur äußerst selten im Oval Office, aber umso häufiger auf dem Golfplatz zu sehen ist, und dass er sich nicht einmal auf Pressekonferenzen vorbereitet. Dass alles, was in den letzten Tagen abgelaufen ist, nichts weiter ist als platteste Propaganda, erkennt jeder, der seine politischen Sinne halbwegs beisammen hat. Aber für die wurde das Ganze ja auch nicht aufgeführt.

Tatkräftig mitgewirkt hat höchstwahrscheinlich Sebastian Gorka, ein typischer Berater Trumps, ein opportunistischer Lügner und islamophober Trommelrührer für die reaktionäre Sache. Ich unterstelle diesen Leuten nicht, dass sie sich intelligenzmäßig in den unteren Regionen der Skala bewegen, wohl aber charakterlich. Die haben doch tagtäglich mit Trump zu tun und erleben tagtäglich das, was andere in den letzten vier Jahren ausgeplaudert haben; die wissen ganz genau, mit wem sie es zu tun haben, und dass sie für eine ziemlich üble Gestalt die Drecksarbeit machen und Schwachsinn, Falschinformationen, Schönfärberei und Denunziation in die Welt posaunen. Aber für ein fürstliches Gehalt und ein bisschen Promistatus sind sie sich für nichts zu schade. Wirklich für nichts. Denn ich kann beim besten Willen nicht glauben, dass eine Frau wie Kayleigh McEnany, die derzeitige Pressesprecherin, oder Kellyanne Conway, ihre Vorgängerin und Erfinderin der ‚alternativen Fakten‘  das, was sie sagen, wirklich glauben. Das sie das aufgeblasene Männchen wirklich bewundern. Das kann nicht sein, denn sonst müsste man ihnen gleichzeitig Hörigkeit und Verblendung und eben doch einen IQ bescheinigen, der einem den Führerschein kosten würde. Bei dem Mann? Also, bitte, wenn das Charisma sein soll, dann müsste die Welt Didi Hallervorden zu Füßen liegen.

Z.B. Sebastian Gorka, bis zu seiner Ernennung zum Stellvertretenden Sicherheitsberater in seriösen Kreisen völlig unbekannt, mit einem dubiosen Doktortitel in Politikwissenschaften, erworben in Budapest, wo er auch Mitglied eines rechten, militaristischen Ordens ist; hervorragend vernetzt in der rechten Szene in den USA und in Ungarn, ehemals Mitarbeiter bei Breitbart News, heute mit eigener hetzerischer Radio-Sendung, ein Mann, dem bei seiner Ernennung sämtliche internationalen Sicherheitsexperten die Kompetenz absprachen, ein Mann also, der nur in einer Regierung wie der Trumps Karriere machen konnte. Und was sagt er über Trump (in einem Interview mit der Zeit)? Bitte festhalten!

„[Trump] ist über 70 und schläft nur zwei Stunden pro Nacht.[…] Ich habe ihn kein einziges Mal gähnen gesehen.“ (Fragt sich da noch jemand, warum der immer so wirr daherredet? Außerdem holt er etwas Schlaf nach in den wenigen Momenten, die er andere reden lässt.)

„[Trump] brauchte das Geld nicht, er nimmt nicht mal seinen Gehaltsscheck an, er stiftet sein Gehalt den Steuerzahlern.“ (Hat er deshalb nur 750 $ Steuern gezahlt? Und vor allem: warum hat bisher niemand etwas erfahren von Trumps unglaublich bescheidener Ader? Trump, der Franz von Assisi Amerikas! Wie kann man sich eine solche Schlagzeile entgehen lassen? Ob er demnächst auch den Trump-Tower in zwei Hälften teilt und die eine den Obdachlosen New Yorks spendet?)

„Er gibt alles dafür, der Nation zu dienen und eine kaputte Stadt zu reparieren, dieses Loch Washington.“ (Ich weiß ja nicht, was früher in diesem Loch verschwunden ist. Jetzt jedenfalls gehört es Trump, und da stecken eine Menge unter normalen Umständen gescheiterte Existenzen drin.)

„Dies ist nicht einfach ein intelligenter Mann, auch nicht einfach unsagbar erfolgreich. […] Dieser Mann ist ein Genie.“ (Da ist man sich nicht ganz einig; auf der einen Seite ist es schon eine reife Leistung allein 70.000 $ für Haarpflege von der Steuer abzusetzen – selbst bei dieser Frisur; andererseits, manchen Quellen zu Folge war er schon dreimal pleite, andere sprechen von sechsmal; und er fing ja auch nur mit schlappen 200 Mio. US-$ an; wie viel er jetzt noch hat weiß keiner; alle seine Flops aufzuzählen erspare ich mir.)

„Er kommuniziert direkt, er spricht nicht die feine Sprache der Restaurants, sondern die der Leute, mit denen er gearbeitet hat.“ (Aha, an der Spitze amerikanischer Unternehmen stehen also lauter Proleten? Und da sie immerzu arbeiten, haben sie keine Zeit für Restaurants. Für feine schon mal gar nicht.)

Von diesen lächerlichen Hirngespinsten kann Gorka nicht tatsächlich überzeugt sein, siehe oben. Leider werden ihm seine speichelleckenden Lobeshymnen wahrscheinlich nicht mal Magengeschwüre bescheren.

Zum Abschluss ein Satz, der Vieles erklärt:

„Dieser Mann könnte einer der erfolgreichsten Comedians sein, wenn er wollte – und genau darum haben wir ihn gewählt. So ist die amerikanische Kultur, dieser Mann passt perfekt zu den Menschen hier.“

Da könnte er, zumindest im Augenblick, allerdings leider Recht haben.

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