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Allgemein Der tägliche Wahnsinn

Verachtung

–      Dass Trump die Wahrheit verachtet wie Schwarze, Latinos, Chinesen, Frauen und Demokraten (um nur einige zu nennen), wissen wir ja schon lange. Jetzt droht er damit sein wie er glaubte effektivstes Machtinstrument, Twitter, zu verbieten, weil sie es zum ersten Mal wagen ihm zu widersprechen. Ob das schon erste Anzeichen der psychischen Nebenwirkungen von Hydroxychloroquin sind, dem Malariamedikament, das er vorbeugend gegen Covic-19 einnimmt? Schwer zu sagen bei einem Menschen mit multiplen psychischen Störungen.

–      George Floyd, so heißt das neueste Opfer rassistischer Polizeigewalt in den USA. Zum Glück dokumentiert ein Handyvideo die Gleichgültigkeit und Brutalität des Polizisten, der zudem den Eindruck vermittelt etwas für ihn völlig Normales, Alltägliches zu tun. Dass diese Menschenverachtung ein strukturelles, ein systematisches Problem ist, beweist auch die zynische Verlautbarung der Polizeibehörde. Wie üblich wird dem Opfer Widerstand vorgeworfen – dessen man sich in den USA ja schon schuldig macht, wenn man bei Kontakt mit Polizisten nicht augenblicklich in devote Schockstarre verfällt. Dann hätten die Beamten „den Verdächtigen in Handschellen bekommen“ und sie „stellten fest, dass er medizinische Hilfe zu brauchen schien.“ Logisch, dass man dann, während man auf den Krankenwagen wartet, den Mann nicht ins Polizeiauto setzen kann, sondern auf den Asphalt wirft und ihm 10 Minuten lang das Knie ins Genick drückt. Reine Routine eben. Und was ist das nun juristisch? Für die Polizeibehörde wahrscheinlich ein bedauerlicher Unfall. Man darf gespannt sein, ob es ein Verfahren gegen den Täter geben wird, und wie gegebenenfalls das Urteil ausfällt. Vielleicht wird er hinterher ja auch von Trump begnadigt.

–      Die Verachtung der englischen Oberschicht für das restliche menschliche Gesocks im Königreich wird den Briten gerade mal wieder drastisch vor Augen geführt von zwei ihrer Großkotze, von Cummings und Johnson, die nochmal klar machen: Ihr da unten dürft uns hier oben gerne dabei zusehen, wie wir uns alles herausnehmen, denn auch zu Corona-Zeiten gelten zwei Gesetze : eins für die Masse und eins für die mit der richtigen Geburtsurkunde. Dass Johnson seinen Snob-Kumpel nicht entlässt, ist nicht überraschend, schließlich gilt Cummings als Wahlkampfgenie. Aber Johnson setzt dem ganzen noch die Krone auf, indem er Cummings Missachtung aller Corona-Regeln mit „väterlichen Instinkten“ verteidigt und rechtfertigt. Die stehen offensichtlich im UK nicht jedem zu.

–      Kennt jemand Aalst? Ich bisher nicht. Das liegt in Belgien, genauer gesagt in Flandern, und ist eine Karnevalshochburg. So weit, so egal. Leider erinnern die Umzüge dort an die 1930er und 40er Jahre. Wie schon zuvor marschierten auch dieses Jahr wieder Gruppen mit offen antisemitischen Motivwagen mit: orthodoxe Juden wurden zur allgemeinen Gaudi als Schießbudenfiguren, rattenliebende Geldsäcke und Ungeziefer dargestellt. Gestört hatte das weder die Zuschauer noch die Behörden. Daraufhin schrieb der Kölner Karnevalsverein Kölsche Kippa Köpp einen Brief an die Regierung Flanderns, in dem Kritik und Verwunderung geäußert wurde, dass so etwas in Flandern erlaubt ist. Nun hat er eine Antwort erhalten, und die schlägt dem Fass den Boden aus. Jan Jambon, Ministerpräsident und Kulturminister Flanderns ist sich bewusst, dass diese Umzüge eine „heftige Kontroverse“ ausgelöst hätten (von der man in Flandern kaum etwas bemerkt hatte). Nach lauwarmen, windelweichen Bekenntnissen, es könne keine „halbwegs ernsthafte Rechtfertigung für dieses Zurschaustellen dunkelster antisemitischer Klischees geben“, und dass er sich gut vorstellen könne [!!!], „dass viele Menschen diese als verletzend empfunden hätten“, folgt dann der Hammer: „Für die flämische Regierung ist es weder einfach, noch wünschenswert, sich zu sehr in Diskussionen oder Kontroversen über bestimmte Traditionen einzumischen.“ Antisemitismus als flämische Tradition! Warum nicht gleich ein Antrag auf Anerkennung als Weltkulturerbe? Dachte ich zunächst satirisch. Ist es aber nicht. Es gab tatsächlich einen Antrag an die UNESCO, die das Aaslter Brauchtum 2010 in ihre Liste aufnahm. Nachdem dann aber aufgrund der antisemitischen Wagen und Kostüme über einen Ausschluss diskutiert wurde, zog Aalst den Antrag selbst zurück.

Jambon war übrigens Mitglied der Volksuniejongeren (Vujo), der Jugendbewegung der flämisch-nationalistischen Partei Volksunie und der gleichgesinnten Vlaamse Volksbeweging (Flämische Volksbewegung), und gern gesehener Redner bei Tagungen des Sint Maartensfonds, einer Vereinigung von flämischen ehemaligen Ostfrontkämpfern, der Flämischen Legion und der Waffen-SS. Noch Fragen?

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