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Anmerkungen zur Lage – Zukunft 2

Wow, wow, WOW! Wenn das keine guten Aussichten sind: Aldi hat angekündigt, auf Billigfleisch zu verzichten!! Nord und Süd!!! Da stehen uns ja schweinchenrosige Zeiten bevor. Allerdings erst ab 2030.

Daraus kann man Aldi allerdings keinen Vorwurf machen, denn nach wie produzieren 90 % der deutschen Viehzüchter konventionell und im Ausland sieht es auch nicht viel besser aus. Auch die Landwirtschaftspolitik der EU, neue Klimainitiative hin oder her, gibt wenig Anlass auf Besserung, sprich massive Förderung von Bio-Höfen zu hoffen. Und der deutsche Verbraucher ist nicht mal am bestehenden Angebot wirklich interessiert.

Da jubelt Frau Klöckner, dass 2020 50 % mehr Biofleisch gekauft wurde. Wahnsinn, Frau Klöckner, echt. Leider vergaßen Sie zu erwähnen, dass der Anteil am Gesamtumsatz jetzt bei sagenhaften 3 % liegt. Übrigens beträgt der Anteil der Haltungsform 4, der, was Tierwohl und Umwelt angeht, anspruchsvollsten Haltungsform, am gesamten Angebot 10 %, bei Haltungsform 3, etwas weniger ambitioniert, sind es noch einmal 3 %. 13 % Angebot, 3 % Nachfrage. Auch hier ist Deutschland Exportnation.

Aber wer kann sich das auch leisten, Biofleisch? Schauen wir doch mal bei Aldi in die Truhe: 400 g Rinderhack, Haltungsform 1 (erfüllt mit Ach und Krach die gesetzlichen Mindest-Minimal-Anforderungen): 2,99 Euro; Bio-Hackfleisch, Stufe 4: 3,59 Euro. Das sind 20 % mehr! Pro 100 g Frikadelle sind das glatte 15 Eurocent mehr. 15!

Nehmen wir einen echten Karnivoren. Bei 200 g Fleisch täglich hieße das 9 Euro Mehrkosten im Monat. 9 Euro! Im Monat! Nun gut, der Mensch lebt nicht nur von der Frikadelle allein, ein Steak darf’s auch mal sein. Rinderfilet Stufe 4, 100 g zwischen 4 und 5 Euro. Stufe 1: 2,50 – 3 Euro. Also schlagen wir zu und schon landet man bei monatlich rund 15 Euro mehr pro Person. In einer vierköpfigen Familie wären das 60 Euro (was völlig unrealistisch ist, da Frauen und Kinder in aller Regel vernünftiger sind als Männer). 60 Euro für deutlich mehr Tierwohl bei gleichzeitig reduzierter Beilage von Betablockern, Antibiotika und multiresistenten Keimen. Ja, das wäre schön, aber nein, solch exorbitante Preise sind selbst für die 50 % der Deutschen, die über dem mittleren Einkommen von 1.900 Euro netto liegen, – schlicht – unerschwinglich.

Also, liebe Ferkel, Kälber und Küken – freut euch nicht zu früh. Eure Zukunft sieht so tranfunzelig aus wie der deutsche Durchschnittskonsument, sein Landwirtschaftministerium und die EU.

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