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Anmerkungen zur Lage – Zukunft 3

Vor 15 Jahren sprach ich mit Schüler/innen im Rahmen eines Zukunftsprojekts über Tourismus – Raumfahrttourismus. Die Mehrheit fand die Vorstellung faszinierend, auch weil sie glaubten, dass der Mensch dann ein anderes, ein besseres Verhältnis zu unserem Planeten und zum Umweltschutz bekommen würden. Sie waren beeindruckt von den Bildern aus dem Weltall, von Earth Rise und Blue Marble, und von dem Astronauten Ron Garan: „Wenn wir auf die Erde aus dem Weltraum herabschauen, sehen wir diesen erstaunlichen, unbeschreibbar schönen Planeten – der wie ein lebender, atmender Organismus aussieht. Aber gleichzeitig sieht sie sehr verletzlich aus.“

Was werden Richard Branson und Jeff Bezos denken, wenn sie demnächst auf die Erde blicken. „Alles meins“? Die beiden liefern sich gerade ein Wettrennen darum, wer als erster Milliardär durchs All schwebt. Und natürlich soll das nur der Anfang sein, der Anfang der kommerziellen Raumfahrt.

Bisher ist die Umweltbelastung durch Raketenstarts noch sehr gering. Zu einer Zeit, da diskutiert wird, Flüge zu reduzieren, ist die Vorstellung regelmäßiger Raketenstarts, um wenigen Privilegierten einen kurzen Raumflug zu ermöglichen, allerdings mehr als anachronistisch.

Vor allem, da die größten Schäden nicht hier unten entstehen, wie durch die Verbrennung von rund 2.000 Litern Treibstoff beim Start. Eine Rakete durchquert auf ihrem Weg in den Weltraum unter anderem die Stratosphäre (10 – 50 km Höhe). Dort ausgestoßene Rußpartikel verbleiben dort, breiten sich über den gesamten Globus aus und fördern den Abbau der Ozonschicht. Von all dem zusätzlichen Weltraummüll und dem Verbrauch von Rohstoffen und seltenen Erden (massiver Computer- und Elektronikeinsatz) ganz zu schweigen.

Darüber hinaus gibt es eine Menge Menschen, die mit den zig-Milliarden Entwicklungskosten für diese Projekte Besseres hätten anfangen können.

So faszinierend die Idee sein mag – Weltraumflüge zur Befriedigung der Selbstbesessenheit der Bezos und Bransons und Weltraumtourismus als Schmankerl im luxusgesättigten Leben der Hautevolee (200.000 bis 300.000 $ soll laut Branson und Bezos ein Flug kosten) sind so überflüssig wie goldene Handys; als zukünftige Form von Massentourismus, von dem manche träumen, sind sie der reine Irrsinn.

Das hatten die Schüler/innen schon vor 15 Jahren erkannt, als es noch Science Fiction war. Die Schönheit der Erde, hieß es in einem Paper, können wir doch überall hier auf der Erde selbst jeden Tag erleben.

Kluge Menschen. Klüger jedenfalls als Branson und Bezos.

Übrigens gibt es schon eine Online-Initiative, die Bezos die Rückkehr auf die Erde verbieten will. Die wird wahrscheinlich nicht sehr erfolgreich sein. Aber vielleicht hat Bezos ja einen Nachfahren von HAL, dem eigensinnigen Computer aus „Space Odyssee“ an Bord.

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