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Blick ins Kaleidoskop

Exposé

Form / Plot

Bei dem Buch handelt es sich um einen Episodenroman, der einen Tag im Leben der fünf Hauptpersonen schildert; ein Tag, an dem sich die Probleme mit ihrem eigenen Leben zuspitzen.

In 10 Kapiteln werden dieser Tag und seine besonderen, teilweise eher marginalen, teilweise nicht undramatischen Ereignisse geschildert. Einen durchgängigen Plot gibt es nicht. Die Figuren streifen durch die Stadt und verbringen einen anfangs normalen Tag. Ausgelöst durch Begegnungen und Beobachtungen werden ihre Lebenswege, Probleme und Charaktere in assoziativen Rückblenden und erinnerten Dialogen dargestellt, wobei der Sprachstil bezogen auf die jeweilige Person variiert (z.B. Syntax, Duktus, teilweise Bewusstseinsstrom). Die Wege der fünf Protagonisten kreuzen sich, aber erst im letzten Kapitel treffen jeweils zwei aufeinander.

Eine sechste Figur, ein orientalischer Erzähler, spielt insofern eine wichtige Rolle, als er mit seinen Geschichten und Gedichten die Gedanken und Gefühle der Protagonisten beeinflusst.

Ort der Handlung ist eine nicht näher bezeichnete Stadt. Alle Schauplätze könnten sich in jeder x-beliebigen größeren Stadt finden.

Der Titel verweist sowohl auf Struktur (episodenhaft, assoziativ) und Form des Romans (verschiedene Textformen: Erzählung, Dialog, Kurzgeschichte, Gedicht, Rede, Abhandlung) , ist aber auch dessen zentrale Metapher, die für alle Protagonisten eine andere Bedeutung hat.

Die Hauptfiguren:

–      Karl Richter:

       „… und so betrachtet er sich als im Grunde seines Herzens ausgemachten Menschenfreund. Es dauert jedoch eine geraume Zeit, bis es den Leuten auffällt. Die meisten halten nicht so lange durch.“

       Deutlich über 60; erfolgloser Maler, Philosoph und Vater; misanthropisch, pessimistisch, satirisch, zynisch; leidet an der Welt allgemein, der fehlenden Wertschätzung als Künstler, und insbesondere am Verhältnis zu seinem Sohn, den er seit über vier Jahren weder getroffen, noch mit ihm gesprochen hat, und zu dem er von Beginn an ein sehr distanziertes Verhältnis hatte. Steht politisch links, betont aber seine völlige Unabhängigkeit von Ideologien, räsoniert und seziert permanent, sehr zum Unwillen seiner Gesprächspartner.

–      Hannah Kuhn:

       „Nichts. Gar nichts ist los. Alles normal. Ich lebe in einem Vakuum. Ich bin ein Vakuum.“

       Ende 40/Anfang 50; lebt in einer Ehe, von der nur noch die Fassade steht; enttäuscht, mutlos, ohne Selbstvertrauen. Empfindet ihr Leben als zunehmend langweilig; hat nur noch wenige Kontakte; die Kinder werden flügge; die Vorstellung nur noch mit ihrem Mann (Investmentbanker) zu leben schreckt sie. Trotz der Sehnsucht nach geistiger und körperlicher Zuneigung, lässt sie sich nicht auf andere Beziehungen ein. Hatte und hat literaturwissenschaftliche Ambitionen, die sie aber aus Angst vor dem radikalen Schritt, mit dem sie ihr Leben ändern müsste, bisher nicht verwirklicht.

       –   Peter Müller:

       „Er hat eine undefinierbare, paradoxe Aura, die ihren Träger nicht erstrahlen, sondern verschwinden lässt.“

       Anfang/Mitte 30; Angestellter in einer Versicherung; lebt völlig isoliert; Einzelgänger, unscheinbar, bürokratisch, pedantisch, willensschwach, Züge eines Zwangscharakters, Jungfrau. Sein mangelndes Selbstvertrauen, die Unfähigkeit sich zu wehren, macht ihn seit seiner Kindheit zum typischen Opfer von Mobbing, Herabsetzung und verächtlichen Kommentaren. Lebt seine Unterlegenheitsgefühle in imaginierten Detektivgeschichten aus (Kopfkino, ausgelöst durch alltägliche Beobachtungen).

–      Julia Krause:

       „Bei mir klappt das nicht, Christie. Ich habe einen Gendefekt. Ich produziere kein Oxytozin.“

       Anfang 30; immer noch Studentin (Kulturwissenschaft); eine Zeit lang erfolgreiche Radioreporterin, lebt jetzt von Gelegenheitsjobs; spontan, selbstbewusst, trinkfreudig, häufig wechselnde Beziehungen. Ist nicht ziellos, aber ständig auf der Suche, probiert sich aus (mal als Musikerin, mal als Schauspielerin), hält aber nie durch. Träumt seit ihrer Kindheit davon zumindest eine Zeit lang in den USA zu leben. Leidet unter der Demenz ihrer Mutter. Hauptproblem:  unterdrückter Kinderwunsch, hatte zwei Abtreibungen; nach der zweiten starke Depressionen.

–      Paul Winter:

       „Von ätzendem Selbstekel geplagt, entwickelte er in diesem Moment den paradoxen Willen in Würde zu krepieren.“

       Mitte/Ende 40; Stadtstreicher, Alkoholiker; früher Ingenieur mit eigenem Statikbüro. Zentrale Bedeutung klassischer Musik (spielt selbst Klavier), Kennzeichen seines innigen Verhältnisses zu seinem Vater und seiner Tochter. Bis zu einem Schicksalsschlag, der ihn aus der Bahn wirft, erfolgsverwöhntes Leben; zielstrebig, fokussiert, Leben nach Bauplan. Jetzt eigenbrötlerisch, illusions- und hoffnungslos, aber immer noch mit einem Rest Selbstachtung.

–      Hakawati:

       „Meine Mutter war ein Epos und mein Vater eine Kurzgeschichte.“

       ‚Hakawati‘: arabisch: Geschichtenerzähler; unbekannter Herkunft; sitzt in einem türkischen Imbiss und erzählt Menschen, die sich an seinen Tisch setzen, gegen einen kleinen Obulus Geschichten.

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