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Mobile Krisengewinnler

Von wegen Probleme! VW, Mercedes und BMW fahren Rekordgewinne ein. Über die gesamte Branche satte 30 % mehr als im letzten Rekordjahr 2016. VW z. B. steigert den Nettogewinn um 75 %. Natürlich nur wegen ihrer ungeheuer fähigen Manager. Nicht wegen ihrer noch effektiveren Lobbyisten. Das hat auch gar nichts damit zu tun, dass der Staat seit geraumer Zeit über Kurzarbeitergeld einen Teil ihrer Löhne übernimmt. Das hat auch gar nichts mit Corona-Subventionen zu tun.

Nein, die CEOs nutzen einfach die Gunst der Stunde. Chipmangel? Ein Geschenk des Himmels! Sollen die Käufer von Kleinwagen doch ein, zwei Jahre warten, das steigert nur den Preis. Luxusmenschen dagegen kann man doch nicht ihr Lebenselixier verweigern. Da ist es reine psycho-hygienische Sozialarbeit, dass, wie VW bestätigte, die Chips zu allererst in den jetzt natürlich noch hochpreisigeren Edelkarossen verbaut werden. Die paar Euro mehr verursachen da nur Phantomschmerzen. Und die potenzmotorigen Dienstwagen finanziert der Kleinwagenparia ja netterweise mit.

Nun werden, wen wundert’s, all überall Rekorddividenden avisiert. Bei Daimler ist man besonders spendabel, statt zuletzt 1,35 pro Aktie gibt es jetzt fünf Euro! VW verspricht immerhin noch 50 % mehr. Da freut sich der Aktienbesitzer, d. h. in erster Linie die Banken und andere Unternehmen sowie chinesische oder (saudi-) arabische Investoren.

Herr Lindner, Sie brauchen doch dringend Geld. Ich meine jetzt nicht für Ihren Porsche 911. Da wollen Sie sich doch ohnehin schon einen Tankgutschein sichern. Ich spreche von Subventionen, die zurückgefordert werden könnten. Oder gar, horribile dictu, höhere Steuern, mit viel Fantasie gar eine Solidaritätsabgabe der Krisengewinnler. Na, wie wär’s? Nicht gut? Ach so, dann kann sich der gebeutelte Mittelstand keinen Porsche mehr leisten. Ja, wenn das so ist. Das möchte ich Ihnen wirklich nicht zumuten.

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