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Plakat-Wahl (2)

SPD

Bei der SPD sieht man vor allem: Olaf Scholz. Und rot.

Aber Scholz hält einen Zettel in der Hand. Einen großen Zettel. „Stimmzettelumschlag“ steht da drauf. Das ist wohl die zentrale Botschaft: Es gibt eine Wahl. Und da kann man wählen. Da kann man sogar uns wählen. Oder soll suggeriert werden, dass man nur mit der SPD auch in Zukunft noch wählen kann? Schließlich steht da auch: „Scholz packt das an“. Also den Stimmzettel. Symbolik über Symbolik.

Aber wieso ein Wahlstimmzettel für die Briefwahl??? Ist die SPD in den Wahllokalen von den Stimmzetteln verschwunden? Oder setzt die SPD auf den Biden-Effekt? Der hat schließlich seinen entscheidenden Vorsprung mit den Briefwählern geholt. Oder hatten die beim Fotoshooting einfach keinen anderen Zettel zur Hand?

Und was der alles sonst noch so anpackt. Stabile Renten, faire Mieten, 12 Euro Mindestlohn. Arbeitsplätze und Klimaschutz. Und wie macht er das? Mit „Kompetenz“. Wie wir das von ihm kennen, siehe Cum-Ex und Wirecard.

Interessanterweise hat Scholz auf diesem Kompetenz-Plakat nichts in der Hand.

Grüne

„Bereit, weil ihr es seid.“

Nun, „ihr“, das ist nach wie vor nur eine Minderheit der Bevölkerung. Aber immerhin eine nennenswerte. Und es sind weitaus mehr als bei den Grünen. Denn die waren alles andere als bereit. Das Plakat stammt von der Partei, deren Apparat hinter den Spitzenkandidaten so dilettantisch arbeitet, als säße man noch in den parlamentarischen Sandkästen der 80er. Die nach der Kandidatinnenkür selbstbesoffen und erschreckend naiv in den Wahlkampf gezogen ist. Und deren Spitzenpersonal sich einen Fauxpas nach dem anderen leistet. Fehler zwar, über die bei anderen kein Wort verloren würde, aber wer konnte auch ahnen, dass Frau Baerbock wie keine andere Politikerin vor ihr mit Medienkampagnen über und unter der Gürtellinie überzogen werden würde? Darauf war offensichtlich niemand bei den Grünen vorbereitet.

Ähnlich naiv auch manches Wahlplakat. „Wirtschaft und Klima ohne Krise“ wird uns versprochen. Ja, wie das denn? Wir sind bereit! Und ihr schwafelt in der größten Existenzkrise des Homo sapiens von Krisenfreiheit? Von Friede, Freude, Eierkuchen? Nein, ihr braucht nicht Gretas Panikspruch zu plakatieren, aber ein wenig mehr Realitätssinn wäre doch ganz hilfreich. Oder traut ihr euch dann doch nicht, die traurige Wahrheit auch unzweideutig auszusprechen?

Dann doch lieber ein paar leicht verdauliche Allgemeinplätze: „Zukunft machen“, „Sichere Arbeitsplätze“, „Bienen retten“. Und natürlich das Klima. Machen wir. Wer will das nicht. WIR sind ja bereit.

Übrigens prangt auch auf fast jedem Grünen-Plakat „Briefwahl jetzt“. Sind die bei derselben Agentur wie die SPD? Oder sind die typischen Wähler der Grünen am Sonntag ebendort statt im Wahllokal?

Und die Linke?

„Jetzt!“ Mit Ausrufezeichen!!! Eine klare, dynamische, resolute Aufforderung. Die Linke – tatkräftig und entschlossen. Und davon abgesehen: Wie bei allen anderen auch ebenso knackige, simpel formulierte Forderungen, die so trocken daher kommen, dass man kaum darüber herziehen kann. Und denen die meisten wohl ohnehin nicht wirklich würden widersprechen wollen.

„Gegen den Notstand. Mehr Gehalt, mehr Personal.“ „Sozial gerecht. Ohne Wenn und Aber.“ „Gerecht. Rente hoch, Rentenalter runter.“ Dazu Bilder von Bussen, lächelnden Omas und Friedenstauben. Nett. So wie die Porträts von Bartsch und Wissler und Co.

Aber was ist das? Steht das da? „Unteilbar solidarisch. Jetzt! Die Linke.“ Das ist ja ganz was Neues. Da hat sich ein Witzbold in die Wahlkampagne eingeschlichen.

Dem ist wahrscheinlich auch zu verdanken, dass jetzt vereinzelte Plakate mit Sahra Wagenknecht gesichtet wurden. Zur Freude einiger Linker. Andere in der Partei fragen sich, warum ausgerechnet das Gesicht einer Frau Stimmen bringen soll, die dazu aufruft, die eigene Partei „jetzt“ nicht zu wählen (zumindest im Saarland)! Und die ein nicht unerhebliches Wählerpotenzial abkanzelt und aus dem Kreis wahrer Linker exkommuniziert, weil diese Menschen nicht auf ihrer eigenen ideologischen Linie liegen und Identitätsfragen, Minderheiten- und Flüchtlingsschutz für wichtige politische Themen halten, mit anderen Worten typisch bourgeois den Unterschied zwischen Haupt- und Nebenwiderspruch nicht kapiert haben. Darauf zu verweisen, dass die Verhältnisse heute andere sind als in den Gesellschaftsanalysen des 19. Jahrhunderts, ist natürlich die typische Reaktion der von ihrem Lifestyle korrumpierten Systemträger. Und die sollen dann eben was anderes wählen.

Wer sich „jetzt“ noch, je nach Couleur, vor der Vermögenssteuer oder der 5 % Hürde fürchtet, dem ruft Die Linke zu: Entspannt euch, relaxt, bleibt cool: „Legalize it!“ Yo!!!

Resümee

Das geht so knackig wie die Slogans selbst. Ich schließe mich einem Aufruf der Partei “Die Partei” an. Die plakatiert:

„Wahlplakate verbieten!“

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2 Antworten auf „Plakat-Wahl (2)“

Ach Wolfgang, vielen Dank! Endlich weiss ich, wen ich wählen kann: Die Verbots-Partei! Damit die Papierverschwendung und die Phrasendrescherei endlich aufhören.
Übrigens: Schon gehört, dass es CDU Plakate mit dem Konterfei eines gewissen Herrn Merz gibt, auf denen es heisst: “Wenn er spricht, hat sie zu schweigen!” Endlich mal ne klare Ansage! Ich dachte erst, “Boah, die wähl ich, kann ich zu Haus wieder so wie früher Opa”…aber dann hab ich gelesen, es soll ein Fake sein und Merz habe Strafanzeige erstattet. Dann ehm nich…

Ja, schade, ne? Aber das Plakat kam doch sehr überzeugend rüber. War schon täuschend echt nachgemacht. Ist aber unnötig. Im Moment reicht es doch, um der CDU zu schaden, einfach nur Plakate mit Luschets Konterfei zu kleben.

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